6 Gülleverteiler im Vergleich

6 Gülleverteiler im Vergleich Welcher Gülleverteiler hat die geringsten Stickstoffverluste und verschmutzt das Futter am wenigsten? Diesen Fragen sind wir gemeinsam mit der Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein auf den Grund gegangen. Die Unterschiede sind groß, aber nicht überraschend.

Mit dem Schleppschuhverteiler lässt sich das Ausbringfenster zum Güllen auf Grünland deutlich erhöhen.
Mit dem Schleppschuhverteiler lässt sich das Ausbringfenster zum Güllen auf Grünland deutlich erhöhen.
Die Gülleausbringung kommt immer mehr unter Druck. Immerhin werden bei der Ausbringung rund 50 % der Ammoniakemissionen freigesetzt. Im Stall sind es etwa 30 %, auf die Lagerung entfallen die restlichen 20 %. Das führt bei den Anrainern und der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung immer öfters zu „Nasenrümpfen“. Zudem gilt es, die EU-Richtlinie NEC („National Emission Ceilings“ – auf Deutsch: Nationale Emissionshöchstmenge) umzusetzen, die eine deutliche Reduktion der Ammoniakemissionen vorsieht. Die Wahl der richtigen Ausbringtechnik spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Teure und schwere Technik
Es ist bekannt, dass bodennahe Ausbringtechniken geringere Emissionen verursachen als der bislang weit verbreitete Prallkopfverteiler. Daher wird bodennah ausgebrachte Gülle pro Kubikmeter und die Technik selbst beim Gemeinschaftsankauf finanziell unterstützt. Auch der Schwenkverteiler von Möscha soll durch seine großtropfige Verteilung N-Verluste senken. Eine neue Art der bodennahen Ausbringung (aber nicht im Sinne der Förderung) bietet das Bücheler+Schönenberger Niederdruck-Verteilsystem aus der Schweiz.
Der Prallkopfverteiler zeichnet sich durch die kostengünstige Anschaffung und den problemlosen Betrieb aus.
Der Prallkopfverteiler zeichnet sich durch die kostengünstige Anschaffung und den problemlosen Betrieb aus.
Bodennahe Gülleverteiler bietet die Industrie schon lange an. Leider kommen sie bisher nur selten zum Einsatz. Die Gründe dafür sind vielfältig: Hohe Investitionskosten trotz Förderungen, aufwändige und damit reparatur- und wartungsintensive Technik, noch höheres Transportgewicht mit schlechter Gewichtsverteilung bis hin zu negativen Stützlasten. Nicht zuletzt besteht im Grünland die Gefahr der erhöhten Futterverschmutzung durch die konzentrierte bandförmige Ablage der Wirtschaftsdünger.

Zwei Versuchsjahre
Die sechs von uns ausgewählten Verteilsysteme haben wir in den Jahren 2016 und 2017 zu fünf verschiedenen Ausbringzeitpunkten hinsichtlich Ammoniakemissionen und Futterverschmutzung mit wissenschaftlichen Feldmessmethoden untersucht.
Alle Einflussfaktoren, die die Stickstoffverluste und die Futterverschmutzung beeinflussen, wurden exakt ermittelt: Ausbringmenge, Trockenmassegehalt der Gülle, Fahrgeschwindigkeit, Wetterdaten, Bodentemperatur sowie die Wuchshöhe.

Der Möscha Schwenkverteiler wird über den Güllestrahl angetrieben, die Arbeitsbreite lässt sich einfach und rasch verändern.
Der Möscha Schwenkverteiler wird über den Güllestrahl angetrieben, die Arbeitsbreite lässt sich einfach und rasch verändern.
Die sechs Testkandidaten
Vakutec Prallkopfverteiler: Der in etwa 2,20 m Höhe montierte Prallkopf verteilt die Gülle auf 12 m Arbeitsbreite. Dieses System zeichnet sich durch geringe Investitions- und Betriebskosten, ein niedriges Gewicht, eine hohe Toleranz gegenüber Fremdkörpern sowie eine einfache Handhabung und Reinigung aus. Zudem lassen sich die Durchflussleistung durch den Wechsel der Düse verändern und das Feldranddüngen gut steuern. Er diente in dieser Vergleichsuntersuchung als Referenz.

Möscha Pendlverteiler: Diesen von der DLG anerkannten Pendelverteiler gibt es als Einfach-, Zweifach- oder Dreifach-Verteiler in Arbeitsbreiten bis zu 27 m. Der Verteiler ist sehr leicht und einfach in der Handhabung. Verstopfungen lassen sich einfach beseitigen. Durch die geometrische Ausformung des Schwenkkopfes und die Umlenkung fast des gesamten Güllestrahls bilden sich große Tropfen. Je größer die Tropfen, desto besser ist der Stickstoff vor Verdunstung geschützt – so die Begründung des Herstellers. Zudem sinkt der Einfluss durch Seitenwind. Im Gegensatz zum Schwanenhals des Prallkopfverteilers wird beim Möscha-Verteiler ein 90°-Bogen eingespart. Das reduziert laut Hersteller den Kraftbedarf. Möscha bietet seinen Pendelverteiler im Internet unverbindlich zur Feldprobe an.

Mit dem Niederdruckverteiler wird die Gülle beinahe drucklos verteilt.
Mit dem Niederdruckverteiler wird die Gülle beinahe drucklos verteilt.
Bücheler+Schönenberger Niederdruckverteiler: Durch das Niederdrucksystem werden im Verteiler ähnlich wie beim Pendelverteiler große Tropfen gebildet. Diese werden allerdings nicht durch die Luft geschleudert sondern „regnen“ in kurzem Abstand mit geringem Energieaufwand senkrecht zu Boden. Die Querverteilung wird durch Seitenwind kaum beeinflusst. Durch den kurzen Luftkontakt sollen die Geruchs- und Ammoniakemissionen reduziert werden. Die Arme der beiden äußeren Öffnungen lassen sich für den Straßentransport hydraulisch nach oben schwenken. Dieser Verteiler ist zwar schwerer als ein Prallkopf- oder Pendelverteiler, aber noch deutlich leichter als alle anderen bodennahen Ausbringtechniken in diesem Vergleichstest. Das gilt auch für die Höhe der Investitionskosten.

Kotte Schleppschlauchverteiler: Der von uns eingesetzte Schleppschlauchverteiler (Baujahr 2011) mit mechanisch angetriebenem Verteilkopf wird von Kotte heute nicht mehr angeboten. Die Gründe dafür sind die begrenzte Arbeitsbreite und die Auslaufverzögerung an den äußeren Schläuchen. Kotte verbaut aktuell Schleppschlauchsysteme von Vogelsang und Bomech. Für unsere Vergleichsuntersuchung tut das aber nichts zur Sache. Im Gegenteil: Dieser Kotte-Verteiler war für unsere Aufgaben gut geeignet, da er eine höhere Durchflussleistung hat als so mancher aktuelle Schleppschlauchverteiler. Die Gülle fließt aus 40 Schläuchen im Abstand von 30 cm (12 m Arbeitsbreite) auf den Boden. Schleppschlauchverteiler sind schon deutlich teurer und schwerer als die vorhin beschriebenen Systeme.

Die hohen Investitionskosten und die kompliziertere Handhabung schrecken noch viele Landwirte vom Kauf dieser emissionsmindernden Technik ab.
Die hohen Investitionskosten und die kompliziertere Handhabung schrecken noch viele Landwirte vom Kauf dieser emissionsmindernden Technik ab.
Fliegl Schleppschuhverteiler Skate 90: Den Schneckenverteiler mit Schleppschuh bietet Fliegl von 9–21 m Arbeitsbreite an. Wir hatten das kleinste Modell im Test. Bei diesem System wird die Gülle in einem engen Schlauchabstand von nur 25 cm mit Schlitzschuhen in den Boden teilweise injiziert. Die verschleißfesten Kufen der Schuhe ziehen mit einem Schardruck von etwa 8 kg kleine Schlitze. Sie lassen sich bei Bedarf einfach austauschen. Dank spezieller Federstahlführungen passen sich die Schläuche Bodenunebenheiten gut an. Bei der Arbeit lastet das Gewicht des Verteilers auf den Schuhen und hat daher keinen Einfluss auf die Stützlast. Der 9 m breite Schleppschuhverteiler von Fliegl kostet serienmäßig fast 30.000 Euro.

Fliegl Scheibenschlitzverteiler SSG 60: Scheibenschlitzgeräte haben das Ziel, die Gülle nahezu vollständig in den Boden zu injizieren, um eine maximale Geruchsreduktion und geringste Ammoniakverluste zu erreichen. Die gezackten Scheiben mit einem Durchmesser von 520 mm lassen sich in horizontaler und vertikaler Richtung verstellen. Serienmäßig sind die Scheiben in einem Abstand von 30 cm mit Blattfedern am Rahmen montiert. Auf Wunsch gibt es den Verteiler auch mit 20 cm Scheibenabstand. Für den Straßentransport lassen sich die äußeren Ausleger hydraulisch hochschwenken.
Von dieser mit Abstand teuersten und schwersten Technik erwartet man zu Recht die größten Vorteile, muss aber auch den Nachteil der großen Stützlastveränderung mit ausgehobenem Verteiler beachten.

Während der Gasmessungen wurden auch die wichtigsten Begleitparameter protokolliert.
Während der Gasmessungen wurden auch die wichtigsten Begleitparameter protokolliert.
So wurde gemessen
Alle fünf Ausbringversuche wurden am Betrieb Huber vulgo Burgstaller in Wörschach auf ebenen Grünlandflächen (Wechselwiese) durchgeführt. Als Zielvorgabe sollte eine Ausbringmenge von 20 m³/ha erreicht werden.

Zur Bestimmung der Ammoniakverluste kam eine spezielle, aktiv belüftete Haube in Kombination mit einem Gasmessgerät zum Einsatz. Diese wurde auf einen Metallrahmen gesetzt, den wir unmittelbar nach der Ausbringung in den Boden einschlugen. Die Schadgaskonzentration der abgesaugten Luft wurde mit einem Multigasanalyser der Firma Lumasens etwa 20 Minuten lang ermittelt. Danach wurde mit der nächsten Verteiltechnik Gülle ausgebracht und auf dieser Fläche gemessen. Nach rund zwei Stunden wurde der nächste Messzyklus wieder auf der Versuchsfläche 1 begonnen. Die Messzyklen (Zeitpunkte) wurden dann so lange wiederholt, bis keine nennenswerte Abgasung mehr gemessen werden konnte.

Das hohe Einsatzgewicht, der hohe Zugleistungsbedarf und die geringe Durchsatzleistung machen die Scheibenschlitztechnik für das Grünland unattraktiv.
Das hohe Einsatzgewicht, der hohe Zugleistungsbedarf und die geringe Durchsatzleistung machen die Scheibenschlitztechnik für das Grünland unattraktiv.
Zur Beurteilung der Futterverschmutzung wurden rund zwei Wochen nach dem „Güllen“ Futterproben genommen. Das geschnittene Futter wurde gewogen und in einem Eimer mit zehn Litern Leitungswasser vermischt. Am darauffolgenden Tag wurde der Schmutzanteil von einem Liter Waschwasser bestimmt.

Beim Gülleausbringversuch 5 wurden aus dem Waschwasser die Gesamtkeimzahl (GKZ) und im Speziellen Enterobakterien, coliforme Keime und Chlostridien bestimmt.

Alle Ergebnisse dieser Vergleichsuntersuchung haben wir für Sie in der LANDWIRT Ausgabe 01/2018 (Erscheinungstermin 1. Jänner 2018) zusammengefasst.


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